Eingruppierung · ERA-Anforderungsniveaus

IG Metall Entgeltgruppen: EG 1 bis EG 17

Welche Tätigkeit in welche Entgeltgruppe gehört, wie die Bewertung abläuft und was bei einer Höhergruppierung tatsächlich hilft.

Im ERA-System wird nicht die Person bezahlt, sondern die Tätigkeit. Die Entgeltgruppe ist das Ergebnis einer Bewertung: Wie hoch sind die geforderten Fachkenntnisse, wie groß ist der Handlungsspielraum, wie viel Abstimmung gehört dazu, gibt es Führungsanteile. Wer die Logik kennt, kann eine Höhergruppierung sachlich begründen statt darüber zu verhandeln.

Die Anforderungsniveaus im Überblick

Anforderungsniveaus der Entgeltgruppen im ERA-System. Die konkrete Zuordnung ergibt sich aus den tariflichen Niveaubeispielen des jeweiligen Tarifgebiets.
GruppenNiveauTypische Tätigkeiten
EG 1 bis EG 3Einfache TätigkeitenTätigkeiten mit kurzer Anlernzeit und engem Handlungsspielraum. Beispiele: einfache Montage- und Bestückarbeiten, Maschinenbeladung, Lagerhilfstätigkeiten, einfache Prüfarbeiten nach Vorgabe.
EG 4 bis EG 6Angelernte und einfache FacharbeitTätigkeiten mit mehrmonatiger Anlernzeit oder abgeschlossener Ausbildung ohne größere Selbstständigkeit. Beispiele: Maschinenbedienung mit Rüsten, Serienfertigung mit Prüfaufgaben, Kommissionierung mit Systemarbeit, Sachbearbeitung nach klaren Vorgaben.
EG 5 bis EG 8Facharbeit mit AusbildungDer Kernbereich für ausgebildete Fachkräfte. Beispiele: Industriemechanik, Elektronik, Zerspanungsmechanik, Instandhaltung, Qualitätsprüfung, technische Sachbearbeitung, Konstruktionsunterstützung. Hier liegt in vielen Gebieten das Eckentgelt.
EG 9 bis EG 11Erweiterte Fachaufgaben und SpezialistentätigkeitTätigkeiten mit deutlich erweiterten Fachkenntnissen, größerem Handlungsspielraum und Abstimmung über den eigenen Bereich hinaus. Beispiele: Meisterinnen und Meister, Technikerinnen und Techniker, Fertigungsplanung, Applikationstechnik, Vertriebsinnendienst mit technischer Beratung, Einstieg für Ingenieure.
EG 12 bis EG 14Fach- und Führungsaufgaben mit hoher SelbstständigkeitTätigkeiten mit Projektverantwortung, fachlicher Führung oder Entwicklungsaufgaben. Beispiele: Entwicklungsingenieure, Projektleitung, Fachreferate, Betriebsleitung kleinerer Bereiche.
EG 15 bis EG 17Spezialisten und komplexe VerantwortungNur in Baden-Württemberg. Tätigkeiten mit sehr hohem Anforderungsniveau, strategischen Anteilen oder Verantwortung für komplexe Systeme.

Wichtige Einordnung. Diese Übersicht beschreibt Niveaus, keine verbindliche Zuordnung. Verbindlich sind ausschließlich die Niveaubeispiele und Bewertungsmerkmale des Tarifvertrags deines Tarifgebiets sowie die betriebliche Aufgabenbeschreibung. Für eine belastbare Auskunft ist der Betriebsrat die richtige Adresse.

Das Eckentgelt je Tarifgebiet

Das Eckentgelt ist die Referenzgruppe für Facharbeitertätigkeiten. Es dient außerdem als Rechengröße für das T-ZUG B, das 26,5 Prozent des Eckentgelts beträgt.

Eckentgelt der Tarifgebiete mit vollständiger Tabelle, ab 01.04.2026
TarifgebietEck-Entgeltgruppe MonatsentgeltT-ZUG B (26,5 %)
Baden-WürttembergEG 73.703,50 €981,43 €
BayernEG 53.497,00 €926,71 €
Nordrhein-WestfalenEG 93.561,00 €943,67 €
HessenEG 53.288,00 €871,32 €
PfalzEG 53.288,00 €871,32 €
SaarlandEG 53.288,00 €871,32 €
SachsenEG 53.288,00 €871,32 €
ThüringenEG 53.288,00 €871,32 €

Jede Entgeltgruppe im Detail

Für jede Entgeltgruppe gibt es eine eigene Seite mit den Werten aller Tarifgebiete, Tätigkeitsprofil und Netto-Rechner:

So läuft die Eingruppierung ab

  1. Aufgabenbeschreibung. Die tatsächlich ausgeübte Tätigkeit wird schriftlich erfasst, in der Regel gemeinsam von Führungskraft und Beschäftigtem.
  2. Bewertung. Die Beschreibung wird gegen die tariflichen Niveaubeispiele und Bewertungsmerkmale gehalten.
  3. Entscheidung. In tarifgebundenen Betrieben entscheidet meist eine paritätische Kommission. Der Betriebsrat hat ein Mitbestimmungsrecht bei der Eingruppierung.
  4. Reklamation. Bist du nicht einverstanden, gibt es ein tarifliches Reklamationsverfahren, danach Schiedsstelle oder Arbeitsgericht.

Was bei einer Höhergruppierung tatsächlich hilft

  • Eine aktuelle, vollständige Liste deiner Aufgaben, inklusive der Dinge, die formal nicht in deiner Stellenbeschreibung stehen
  • Konkrete Beispiele für erweiterten Handlungsspielraum: eigene Entscheidungen, Vertretung des Bereichs nach außen, Anleitung von Kolleginnen und Kollegen
  • Nachweise über Qualifikationen, soweit sie für die Tätigkeit tatsächlich gebraucht werden
  • Ein Vergleich mit Kolleginnen und Kollegen in der nächsthöheren Gruppe mit ähnlichen Aufgaben
  • Den Betriebsrat früh einbeziehen, statt allein mit der Führungskraft zu verhandeln

Was bringt die nächste Entgeltgruppe?

Stelle deine aktuelle EG ein, notiere das Jahresbrutto, dann die nächsthöhere. Der Unterschied fällt größer aus als der reine Tabellensprung, weil Zulage und Sonderzahlungen mitwachsen.

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Häufige Fragen

Wie viele Entgeltgruppen hat die IG Metall?

Das ist regional unterschiedlich, weil jedes Tarifgebiet eine eigene ERA-Tabelle hat. Baden-Württemberg reicht bis EG 17, Nordrhein-Westfalen bis EG 14, Bayern bis EG 12 und Hessen bis EG 11. Dieselbe EG-Nummer bedeutet in zwei Gebieten deshalb nicht dasselbe Niveau.

In welcher Entgeltgruppe ist ein Facharbeiter?

Ausgebildete Fachkräfte liegen typischerweise in den mittleren Gruppen, je nach Tätigkeit und Tarifgebiet etwa EG 5 bis EG 8. Das Eckentgelt, also die Referenz für Facharbeitertätigkeiten, ist in Bayern EG 5, in Baden-Württemberg EG 7 und in Nordrhein-Westfalen EG 9.

In welche Entgeltgruppe kommen Ingenieure?

Der Einstieg liegt je nach Aufgabe und Gebiet häufig ab EG 9 bis EG 11, Entwicklungs- und Projektaufgaben eher in EG 12 bis EG 14. Entscheidend ist immer die Anforderung der konkreten Tätigkeit, nicht der Abschluss.

Wie komme ich in eine höhere Entgeltgruppe?

Über eine höher bewertete Tätigkeit, nicht über Betriebszugehörigkeit. Sammle Belege für Aufgaben, die über deine aktuelle Aufgabenbeschreibung hinausgehen, und beantrage über den Betriebsrat eine Überprüfung der Eingruppierung. Entscheidend ist die tatsächlich ausgeübte Tätigkeit.

Was ist der Unterschied zwischen Entgeltgruppe und Stufe?

Die Entgeltgruppe bewertet die Anforderung der Tätigkeit. Die Stufe innerhalb einer Gruppe steht für Erfahrung oder Verweildauer. In Baden-Württemberg gibt es überhaupt keine Stufen, in Bayern Stufe A und B, in Hessen eine Zusatzstufe ab EG 4.