Ratgeber · Metall- und Elektroindustrie

Elektro ist nicht gleich Elektro: Industrie- und Handwerkstarif

Elektroniker gibt es in der Industrie und im Handwerk, mit zwei völlig verschiedenen Tarifwelten. Die Unterschiede entscheiden über mehrere hundert Euro im Monat.

Zwei Tarifwelten, ein Berufsbild

Die IG Metall verhandelt für Elektroberufe in zwei getrennten Bereichen. Die Metall- und Elektroindustrie (M+E) mit ihren ERA-Tabellen deckt Industrieelektroniker, Mechatroniker und Automatisierungstechniker in Industriebetrieben ab. Das Elektrohandwerk mit eigenen Tarifverträgen deckt die klassischen Handwerksbetriebe ab: Installation, Gebäudetechnik, Energietechnik.

M+E-Industrie und Elektrohandwerk im Vergleich, Stand Juli 2026
M+E-IndustrieElektrohandwerk
EntgeltsystemERA-Entgeltgruppen, regionale Tabellenregionale Entgelttarife plus bundesweites Mindestentgelt
NiveauEckentgelt 3.288 bis 3.704 € plus Zulage und 5 SonderzahlungenMindestentgelt 14,93 €/h (2026), regional darüber; Eckentgelt NRW rund 20,60 €/h
Arbeitszeit35 h West, 38 h Ostje nach Region, z. B. 36 h in NRW
SonderzahlungenT-ZUG A und B, T-Geld, Urlaubs- und Weihnachtsgeldregional unterschiedlich, meist schlanker

Warum der Unterschied so groß ausfällt

Der Industrie-Tarif rechnet in Monatsentgelten mit fünf Sonderzahlungen, die zusammen gut zwei Monatsgehälter ergeben. Der Handwerkstarif rechnet in Stundenlöhnen und kennt diese Sonderzahlungsarchitektur so nicht. Bei gleichem Stundensatz liegt das Jahresbrutto in der Industrie deshalb spürbar höher. Für den Vergleich zählt immer das Jahresbrutto, nicht der Stundenlohn; die Umrechnung zeigt der Stundenlohn-Rechner.

Welcher Tarif gilt für mich?

Entscheidend ist der Betrieb, nicht der Beruf. Ein Mechatroniker beim Maschinenbauer fällt unter M+E, derselbe Mechatroniker beim Elektroinstallateur unter das Elektrohandwerk. Grenzfälle wie industrienahe Servicebetriebe klärt die Verbandszugehörigkeit des Arbeitgebers; Betriebsrat oder IG-Metall-Geschäftsstelle wissen es.

Wechsel vom Handwerk in die Industrie

Der häufigste Karriereschritt der Branche. Bei der Eingruppierung zählt die übertragene Tätigkeit, nicht der Vorlohn: Ausgebildete Elektroniker steigen typischerweise am Eckentgelt ein, in Bayern EG 5 mit 3.497,00 €, mit Berufserfahrung und erweiterten Aufgaben entsprechend höher. Was das netto bedeutet, zeigt der Rechner.

Industrie-Entgelt für Elektroberufe

EG einstellen und sehen, was die M+E-Industrie brutto und netto zahlt.

Zum Rechner

Häufige Fragen

Was verdient ein Elektroniker nach IG-Metall-Tarif?

In der M+E-Industrie je nach Tätigkeit typischerweise ab dem Eckentgelt, also 3.288 bis 3.703,50 Euro plus Leistungszulage und Sonderzahlungen. Im Elektrohandwerk gelten regionale Stundenlohntarife über dem Branchenmindestentgelt von 14,93 Euro (2026).

Gilt für Mechatroniker der Industrie- oder der Handwerkstarif?

Das entscheidet der Betrieb, nicht der Beruf: Industriebetrieb heißt M+E-Tarif mit ERA-Tabelle, Handwerksbetrieb heißt Elektrohandwerkstarif.

Warum zahlt die Industrie mehr als das Handwerk?

Vor allem wegen der fünf tariflichen Sonderzahlungen, die zusammen gut zwei Monatsgehälter ergeben, und der 35-Stunden-Woche. Beim reinen Stundenlohn ist der Abstand kleiner als beim Jahresbrutto.