Ratgeber · Metall- und Elektroindustrie

Abrechnung prüfen: sieben Punkte, die sich in Euro auszahlen

Die meisten Fehler auf Entgeltabrechnungen sind keine Absicht, sondern vergessene Anpassungen. Diese sieben Prüfpunkte findest du in zehn Minuten.

Punkt 1: Stimmt der Tabellenwert?

Seit dem 1. April 2026 gelten die Werte mit plus 3,1 Prozent. Vergleiche das Grundentgelt auf der Abrechnung mit der Tariftabelle deines Gebiets. Häufigster Fehler nach einer Erhöhung: Die neue Tabelle ist im System, aber eine individuelle Zulage wurde mit dem alten Wert verrechnet.

Punkt 2: Stimmt die Stufe?

In Bayern steigst du nach 6, 12 oder 18 Monaten Tätigkeitszeit von Stufe A nach B, je nach Entgeltgruppe. In NRW steigen EG 12 bis 14 mit der Verweildauer. Notiere dir das Datum deines Gruppeneintritts und prüfe den Aufstiegstermin. Verpasste Stufenaufstiege sind der häufigste still liegengebliebene Anspruch.

Punkt 3: Leistungszulage ausgewiesen?

Die Zulage muss als eigener Posten erscheinen. In NRW besonders wichtig, weil sie dort nie im Tabellenwert steckt. Prüfe auch, ob sie nach einer Erhöhung des Grundentgelts auf dem neuen Wert berechnet wird, wenn sie prozentual vereinbart ist.

Punkt 4: Kamen alle Sonderzahlungen?

Februar: T-ZUG B mit 26,5 Prozent des Eckentgelts, seit 2026 rund 900 Euro statt vorher rund 600. Mai oder Juni: Urlaubsgeld. Juli: T-ZUG A mit 27,5 Prozent und T-Geld mit 18,4 Prozent. November: Weihnachtsgeld nach deiner Staffel. Fehlt eine Zahlung, frag zuerst nach einer Differenzierungsvereinbarung, bevor du reklamierst: Das T-Geld darf verschoben sein, das T-ZUG B nicht.

Punkt 5: Mehrarbeit mit Zuschlag?

Mehrarbeit über die tarifliche Wochenarbeitszeit gehört mit 25 Prozent Zuschlag abgerechnet oder auf das Zeitkonto. Prüfe, ob die Stunden vollständig erfasst sind und der Zuschlag als eigene Position erscheint.

Punkt 6: Stimmen die Abzüge 2026?

Rentenversicherung 9,3 Prozent, Arbeitslosenversicherung 1,3 Prozent, Krankenversicherung 7,3 Prozent plus halber Zusatzbeitrag deiner Kasse, Pflegeversicherung 1,8 Prozent, in Sachsen 2,3 Prozent, Kinderlose ab 23 zahlen 0,6 Prozent mehr. Der Brutto-Netto-Rechner zeigt die Sollwerte für dein Entgelt. Häufiger Fehler zum Jahreswechsel: Der Zusatzbeitrag der Kasse wurde erhöht, aber die Steuerklasse oder der Freibetrag aus dem Vorjahr hängt noch im System.

Punkt 7: Steuerklasse und Freibeträge aktuell?

Nach Heirat, Trennung oder Geburt lohnt der Blick auf die Steuerklasse. Freibeträge aus dem Lohnsteuerermäßigungsverfahren gelten längstens zwei Jahre und müssen dann neu beantragt werden.

Wenn etwas nicht stimmt

Erst die Personalabteilung fragen, schriftlich und mit konkreter Rechnung. Bleibt die Antwort aus, den Betriebsrat einschalten. Wichtig sind die tariflichen Ausschlussfristen: Ansprüche müssen je nach Tarifgebiet innerhalb weniger Monate geltend gemacht werden, sonst verfallen sie. Deshalb lohnt die Prüfung nach jeder Abrechnung mit Sonderzahlung, nicht nur einmal im Jahr.

Sollwerte für deine Abrechnung

Der Rechner zeigt Tabellenwert, Zulagen, Sonderzahlungen und Abzüge für deine Eingaben, zum direkten Abgleich.

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Häufige Fragen

Wie schnell muss ich Fehler auf der Abrechnung reklamieren?

Die Tarifverträge der M+E-Industrie enthalten Ausschlussfristen, nach denen Ansprüche innerhalb weniger Monate schriftlich geltend gemacht werden müssen, sonst verfallen sie. Reklamiere deshalb zeitnah und schriftlich, nicht erst zum Jahresende.

Was ist der häufigste Fehler auf M+E-Abrechnungen?

Verpasste Stufenaufstiege. Der Termin hängt an der Tätigkeitszeit in der Entgeltgruppe und wird nach Versetzungen oder Umgruppierungen leicht übersehen. Notiere dir dein Gruppeneintrittsdatum und den Soll-Termin des Aufstiegs.

Das T-Geld fehlt auf meiner Juli-Abrechnung. Ist das erlaubt?

Möglicherweise ja. Betriebe in wirtschaftlicher Schieflage können das Transformationsgeld nach den Differenzierungsregeln verschieben oder aussetzen. Dafür braucht es eine entsprechende Vereinbarung. Frag den Betriebsrat, ob eine Differenzierung vereinbart wurde.

Wo sehe ich meinen Zusatzbeitrag zur Krankenkasse?

Auf der Abrechnung ist meist nur der Gesamt-KV-Beitrag ausgewiesen. Den Zusatzbeitragssatz deiner Kasse findest du auf deren Website oder in der Beitragsmitteilung zum Jahreswechsel. Der Durchschnitt liegt 2026 bei 2,9 Prozent, die Hälfte trägt der Arbeitgeber.